Kinder rechnen um die Wette
Mathematik-Wettbewerb vom Verein MeinBrain“ zieht Logik-Talente an
Gallus -Von Mathematik-Klausuren träumt mancher noch im Erwachsenenalter, wie etwa die Zeit verrinnt, man aber noch bei der ersten Aufgabe hängt. Beruhigend wirkt dann das Weckerklingeln. Wem Mathe liegt, der ist schulisch meist fein raus. So wie die Kinder, die am Sonntag im Saalbau an der Frankenallee um die Wette rechneten.
Eltern beobachten Kids übers Handy
Im Hof wimmelt es von so vielen Kindern, dass werktätige Passanten einen Schreck bekommen könnten. Die Szenerie wirkt, als sei normaler Arbeitstag. Allerdings stehen viele Eltern umher, die dürfen dann aber nicht mit, wenn es die Treppen in den großen Saal hoch geht. Über ihr Smartphone können die Eltern beobachten, wie sich ihre Kinder schlagen. Ein Mitarbeiter von „Mein- Brain“ sendet nach draußen.
Vorne steht Erkan Beyazal, der vor acht Jahren zusammen mit Marianna Gurmann die „MeinBrain GbR“ gründete, zwei Jahre später konstituierte sich „MeinBrain“ auch noch als Verein. Der Club richtet heute einen Rechenwettbewerb aus, an dem gut 220 Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren teilnehmen, allesamt solche, die bei „MeinBrain“-Kurse belegen.
Und zwar nicht deshalb, weil sie Nachhilfe brauchen, sondern viel eher, weil ihnen die Mathematik besonders liegt, sie Algebra oder Funktionen interessieren, die in der Schule noch nicht auf dem Lehrplan stehen. Mit simplen Rechenaufgaben wie heute hat das dann nichts mehr zu tun, dann geht es um Logik.
Bevor es losgeht, nordet Beyazal die Kinder ein. Der 40-Jährige studierte Mathematik und Sport auf Lehramt, zog aber die Selbstständigkeit der Aussicht auf den Beamtenstatus vor. Jedes Kind bekam bei der Anmeldung ein Bändchen um das Handgelenk gelegt. Auf dem Bändchen steht eine Nummer. Die schreiben die Kinder auf ihr Aufgabenblatt. Wer fertig ist, hebt den Arm.
Null Fehler bei 70 Aufgaben
Die Leute von „MeinBrain“ notieren die Zeit. Im letzten Jahr gewann ein Mädchen in ihrer Altersklasse mit null Fehlern auf die 70 Aufgaben nach 2:45 Minuten. „Das war außer gewöhnlich“, erinnert sich Beyazal. Mit dem Alter werden die Aufgaben aber nicht einfacher.
Die jüngsten Schüler dürfen noch einen Abakus verwenden, eine Art Rechenmaschine mit Perlen auf der Stange, die sich zählen lassen. Manche können mit so einem Ding nichts anfangen. In der ersten Reihe sitzt ein Junge, der den Abakus kein einziges Mal verwendet, früh das Zeichen gibt, alle Aufgaben gelöst zu haben.
Länger als sieben Minuten dauert der Wettbewerb nicht. Dann kommt von vorne ein Zeichen. Die Kinder müssen die Hände nach oben strecken.
Wer gut in Mathe ist, muss sich selten fürchten, die Versetzung nicht zu packen. Die naturwissenschaftlichen Fächer gehen dann ebenfalls leicht von der Hand. Beyazal fasst zusammen, eine mathematische Aufgabe sei ein Problem, dass es zu lösen gelte. Eine Fähigkeit, die sich auch auf anderen Feldern anwenden lasse.
Mathe hat viel mit Intuition zu tun
Schüler, die viel Mathe lernten, steigerten sich generell. Beyazal erklärt, Mathematik habe viel mit Intuition zu tun, dem Gefühl für den richtigen Lösungsweg“. Die zwölf Jahre alte Mia nimmt bereits seit sechs Jahren an den „Mein-Brain“-Kursen teil. Mitmachen darf Mia heute nicht. Das wäre den jüngeren Teilnehmern gegenüber nicht fair. Denn die Sechstklässlerin gehört schon zu jenen, die hinterher die Rechenbögen kontrollieren.
Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Jüngste Gewinnerin ist Lara Richardt, sie kam am 17 Februar 2019 zur Welt. Der älteste Sieger ist Marc Philipp Mayer, der vor vier Tagen neun Jahre alt wurde. Am schnellsten gab Konstantin Mark ab, der nach 4:54 Minuten alle Aufgaben seiner Altersklasse korrekt gelöst hatte.
